Kulturelle Studienreihe 1: Für-sich-Sein – Allein- sein – Einsam sein – Isoliert sein – Gemeinsam sein? Orte der Einsamkeit in, an und rund um die Universität. Eine kulturwissenschaftliche Versuchs-anordnung

Wann:
25. November 2022 um 12:00 – 13:30
2022-11-25T12:00:00+01:00
2022-11-25T13:30:00+01:00
Wo:
Seminarraum B VI, Universi- täts- und Stadtbibliothek, Universitätsstraße 33
Kontakt:
Dr. Ursula Pietsch-Lindt

In der „Corona“-Pandemie ist sie wieder in den Fokus der forschenden
Aufmerksamkeit gerückt, jene besondere Zuständlichkeit der Leere, die
unabhängig von Geschlecht und Alter als Gefühl der Einsamkeit erlebt und
beschrieben wird. Vermehrt finden sich soziologische und psychologische
Studien mit der Zielsetzung, Handlungsansätze für operativ wirksame
Schlussfolgerungen einer mehrheitlich als negativ bewerteten Befindlich-
keit zu entwickeln. Ungeachtet der berechtigten Forderung nach praktika-
blen Hilfestellungen finden sich in der Kulturgeschichte Beschreibungen,
die den Blick weiten, weil sie den einen Begriff Einsamkeit auffächern und
seine unterschiedlichen Facetten erkennen lassen. Dieses kulturell-tra-
dierte Wissen über Einsamkeitspraktiken (nach Thomas Macho „Kultur-
techniken“) ist nicht nur verknüpft mit den Figuren bekannter Meister:innen
der Einsamkeit, sondern auch mit Orten wie z. B. der Wüste, dem Wald,
der Zelle, dem eigenen Körper, sodass für die Rede von der Einsamkeit
ein Topos-Charakter auszumachen ist. Diesem folgend, haben die Autoren
J. H. Claussen und Ulrich Lilie einen „Atlas der Einsamkeiten“ zusammen-
gestellt, dem sie den Titel „Für-sich-Sein“ gaben und in dem sie Nachfor-
schungen über den Lebensstil von Menschen an beispielhaft einsamen
Orten betreiben. Die Kenntnis dieses Buchs von Claussen/Lilie bildet die
Grundlage der Veranstaltungsreihe.
Analog dazu sollen in dieser kulturwissenschaftlichen Versuchsreihe Orte
an, in und rund um die Universität individuell aufgesucht werden. Als Sta-
tionen angedacht sind: eine Institutsbibliothek, ein Hörsaal, eine Mensa/
Cafeteria, der Rautenstrauch-Joest-Kanal und der Geusen-Friedhof, das
Karmeliterkloster.
In einer ersten gemeinsamen Sitzung wird das detaillierte Vorgehen (z. B.
gemeinsames Erstellen eines Fragebogens als methodisches Hilfsmittel etc.)
miteinander abgestimmt und die endgültige Wahl der Orte festgelegt.
In den weiteren Treffen werden die Orte aus der Textgrundlage mit den
Orten an der Uni in Korrespondenz gebracht. Zielsetzung ist es, die Facet-
ten des Begriffs der Einsamkeit an dem jeweiligen Ort zu hinterfragen, um
damit den Sprechweisen resp. Sprachmustern (Topoi) über Einsamkeit
neue Aspekte abzugewinnen.
Literatur:
Johann Hinrich Claussen/Ulrich Lilie: Für Sich Sein. Ein Atlas der Einsam-
keiten. München 2021 (Beck)
Thomas Macho, Mit sich allein. In: Aleida und Jan Assmann (Hrsg.): Ein-
samkeit. Archäologie der literarischen Kommunikation VI, München (Wil-
helm Fink) 2000, 27-44. (Wird auf ILIAS bereitgestellt)

Diese Veranstaltung wird
durch den fgs gefördert