Ringvorlesung: Wie viel Wahrheit vertragen wir?

Was ist Wahrheit? Diese Frage ist eine philosophische Grundfrage – eine
Frage nach Existenz und Sein. Jede Behauptung, jedes Wort sogar das
Bestreiten von Wahrheit, setzen, wenn sie wahr sein sollen, die Wahrheit
voraus. Konstruktivist:innen behaupten, dass es „die Wahrheit“ nicht gibt,
wohl aber Konstruktionen von Realität, die bestimmte Menschen in einem
bestimmten sozialen und kulturellen Kontext erzeugen.
Die klassischen akademischen Disziplinen – Philosophie, Religions-,
Rechtswissenschaften – kreisen stetig um den Begriff der Wahrheit und
die Regeln sowie die Möglichkeiten der Wahrheitsfindung. Wie schafft
Wissenschaft aus Wahrheit Wissen oder aus Wissen Wahrheit? Wie wird
Wahrheit durch wissenschaftliches Wirken generiert und wo stößt diese
auf Grenzen? Zwar gibt es nicht unbedingt die eine Wahrheit, aber wir
brauchen sie.
Wir suchen zumindest nach dem Begriff „wahr“ als ein soziales Regulativ.
Aber wo kann die Wahrheit gefunden werden? Wer zieht eine komfortable
Lüge einer harten Wahrheit vor? Wie werden Lügen zu alternativen Fak-
ten, Fake News, Halbwahrheiten und bizarren Verschwörungen? Können
Kriterien oder Methoden der Wahrheitsfindung helfen, die Realität nicht
aus den Augen zu verlieren?
Wir laden Sie dazu ein, die Wahrheiten in unserer Zeit mit Expert:innen
aus Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur in interdisziplinären Vorträgen
zu betrachten und kritisch zu hinterfragen. Studierende aller Fakultäten
sowie interessierte Gäste sind herzlich willkommen!

Anmeldung erforderlich:
Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an ✉ ringvorlesung-professionalcenter@uni-koeln.de

Ringvorlesung: Von Mestizaje über die Kontaktzo- ne bis zur Dekolonialisierung – Aushandlungen von Zugehörigkeit in Lateinamerika

In der interdisziplinären Ringvorlesung präsentieren ausgewiesene Spezi-
alist:innen verschiedene Formen der Aushandlung von Zugehörigkeit in la-
teinamerikanischen Diskursen. Der Schwerpunkt liegt auf den Konzepten
Mestizaje und Kontaktzone, wobei vor allem ersteres durchaus berechtig-
te Kritik erfahren hatte. Dabei werden sowohl historische Phänomene als
auch gegenwärtige Entwicklungen beleuchtet, die sich mit Prozessen kul-
tureller und sozialer Vermischung befassen; von der kolonialen Gesell-
schaft über die Formierung der Nation im 19. Jahrhundert und indigenen
und afroamerikanischen Bewegungen die sich spätestens seit den 1990er
Jahren für Konzeptionen von Plurinationalität und Plurikulturalität einset-
zen.
Die Publikation von Borderlands/La Frontera. The New Mestiza von Gloria
Anzaldúa hat seit den 1990er Jahren und insbesondere in den Kultur- und
Literaturwissenschaften ein erneuertes Interesse am Konzept der Mes-
tizaje hervorgerufen, welches immer wieder aufgrund rassistischer Impli-
kationen kritisiert worden ist. Gleichzeitig entstanden neue Begriffe um die
Zugehörigkeit in heterogenen und oft konfliktiven Räumen theoretisch zu
fassen. Mary Louise Pratt prägte den Begriff der Kontaktzone (1991) um
sich auf den Raum kolonialer Begegnung zu beziehen und belebte den
Begriff der Transkulturation (Ortiz 1983) neu, um den Blick auf die oft vor-
handene Asymmetrie dieser Begegnungen zu lenken.
Heutzutage beleben die Konflikte um Territorien und Extraktivismus sowie
die feministischen intersektionalen Diskurse und die Debatte um Dekoloni-
alisierung Fragen der Zugehörigkeit in Amerika neu. Die Ringvorlesung
will anhand von Beiträgen aus den Geschichtswissenschaften, der Sozio-
logie sowie den Kultur-, Kunst- und Literaturwissenschaften beleuchten,
wie wir uns diesen aktuellen Situationen annähern können. Dabei sollen
auch einzelne Beiträge über Regionen außerhalb Lateinamerikas die De-
batte bereichern.
Einige Sitzungen werden auf Spanisch oder Englisch stattfinden.

Anmeldung erforderlich:
Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an ✉ mail-clac@uni-koeln.de

 

Ringvorlesung: Fabula Rasa – Queere Perspektiven auf Utopisches und Dystopisches

Die Ringvorlesung des SoSe 2022 findet in Kooperation mit den Queer
Studies der KHM (Kunsthochschule für Medien, Köln) und GeStu_S (dem
Zentrum Gender Studies der Universität Siegen) unter Mitwirkung der For-
schungsstelle Queery (Queery/ing Popular Culture) statt.
Derzeit bringen Zukunftsszenarien eine Vielzahl an utopischen und dysto-
pischen Ideen und Gesellschaftsentwürfen hervor. Dabei wird auf die ak-
tuellen sozio-kulturellen Entwicklungen und Debatten entweder als eman-
zipatorisch, offen und fortschrittlich oder aber als haltlos, spaltend und zer-
störerisch verwiesen. Auf der einen Seite werden, ausgehend von einer
als einengend und ausgrenzend wahrgenommenen Vergangenheit Hoff-
nungen auf eine gerechtere und demokratischere Zukunft geweckt. Auf
der anderen Seite wird auf (teils erfundene) Traditionen und eine vermeint-
lich sicherere Vergangenheit, auf die ‚gute alte Zeit‘ rekurriert. Das Schü-
ren von Ängsten und Unsicherheit dient hierbei zur Wiederherstellung ei-
ner gesellschaftlichen Ordnung, deren Niedergang imaginiert wird.
Wir wollen in dieser Veranstaltung in vielfältiger, queerer Thematisierung
und Perspektivierung Lesarten und Ermöglichungen, aber auch Wider-
ständigkeiten versammeln und gemeinsam diskutieren.
Die Ringvorlesung ist einführend, es werden keine Grundkenntnisse der
Gender und Queer Studies vorausgesetzt.

Die ZOOM-Einladung zur Veranstaltung finden Sie in Kürze auf der folgenden
Homepage:
� https://gestik.uni-koeln.de/aktuelles-1/ringvorlesung

Ringvorlesung: Kreativität & Routine

Diese Ringvorlesung ist interdisziplinär ausgerichtet und setzt sich aus
verschiedenen Perspektiven mit der Wechselbeziehung von Kreativität
und Routine auseinander.
So sind die gegenläufigen Anforderungen von Kreativität und Routine z. B.
von zentraler Bedeutung für das Gelingen sprachlicher Kommunikation.
Der kreative Umgang mit sprachlichen Mitteln ermöglicht es uns, neue In-
halte und feine Nuancierungen zu kommunizieren. Gleichzeitig verhindern
geteilte sprachliche Routinen, dass wir bei jeder Interaktion neu beginnen
müssen und bilden somit die Grundlage für die Effizienz und Robustheit
menschlicher Kommunikation. Gelungene Kommunikation ist dabei auf
das ausgewogene Wechselspiel von Kreativität und Routine in jeder kom-
munikativen Äußerung angewiesen.
Auch in der Medienkulturwissenschaft ist ein solches Wechselspiel in den
letzten Jahren viel diskutiert worden. So widmet sich z. B. die Serialitäts-
forschung dem ästhetischen Zusammenspiel von Variation und Wiederho-
lung. Die mediensoziologische Debatte zum sog. Kreativitätsdispositiv be-
schreibt einerseits die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung (Beuys: „Jeder
Mensch ist ein Künstler!“) und andererseits einen gewissen gesellschaftli-
chen Zwang, stets kreativ sein zu müssen.
Vergleichbare Diskurse zum Wechselspiel von Kreativität und Routine fin-
den sich auch außerhalb der Sprachwissenschaften und der Medienkul-
turwissenschaft in zahlreichen Disziplinen. Wir werden uns in dieser Ring-
vorlesung mit verschiedenen Zugängen zu diesem Themenbereich be-
schäftigen.

Anmeldung erforderlich:
Die Anmeldevoraussetzungen werden noch bekannt gegeben