Vortrag: Erinnerungskulturen in Deutschland und Europa

Kooperationsveranstaltung des Vereins zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums (fgs) und des Historischens Instituts – Neuere Geschichte



Referentin: Aleida Assmann (Konstanz)
Erinnerungskulturen weisen unterschiedliche Entwicklungen und oft auch „weiße Flecken“ auf, immer abhängig von den Interessengruppen, Machtverhältnissen und politischen Orientierungen. Offizielles, öffentliches und privates Erinnern geht in Deutschland oft auseinander und es meldet sich auch manches Unbehagen, wie die jüngsten Störgeräusche seitens der AfD zeigen. Es soll gefragt werden, welche trennende und welche verbindende Wirkung aus der Erinnerung an Gewaltereignisse des 20. Jahrhunderts für Europa hervorgehen kann.
Im Juni 2018 wurde bekannt gegeben, dass Aleida Assmann zusammen mit ihrem Ehemann Jan Assmann den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Oktober 2018 für die Verdienste ihrer Arbeiten zur Erinnerungskultur und gegen Geschichtsvergessenheit erhalten. Die Ehrung ist auch mitbegründet durch ihre zahlreichen Veröffentlichungen, von denen hier nur einige we- nige genannt werden können: Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis (München 2013); Aleida Assmann: Der lange Schatten der Vergangenheit (München 2006); Aleida Assmann: Formen des Vergessens (Göttingen 2016); Aleida Assmann und Jan Assmann: Wem gehört die Geschichte? Über Erinnern und Vergessen. 2 CDs (Berlin 2011).

Film: “Anfang aus dem Ende. Die Generation der Flakhelfer”

Kooperationsveranstaltung des Vereins zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums (fgs) und des Historischens Instituts – Neuere Geschichte



Dieser Film (Deutschland 2013. Länge 85 Min.) befasst sich mit Aussagen von Zeitzeugen, die den Zweiten Weltkrieg als konkrete Erfahrung erlebt haben. Die sogenannte „Flak- helfergeneration“ ist das letzte lebendige Band, das unsere Gegenwart noch mit dieser Geschichte verbindet. Sie umfasst die Jahrgänge 1926-29, die in den letzten Kriegsjahren von der Schulbank an die Flugabwehrkanonen abkommandiert wurden. Diese Generation ist zugleich diejenige, die in Hitlers Tausendjährigem Reich aufgewachsen ist und nach 1945 die Chance hatte, ihr Leben noch einmal neu zu beginnen. Sie hat die Bundesrepublik Deutschland und ihre Demokratie mit aufgebaut.
Alle, die sich diesen Film ansehen, werden wenige Tage später in dem Vortrag von Prof. Aleida Assmann einige konkrete Bilder vor Augen haben und vielleicht auch nachvollziehen können, warum die interviewten Zeitzeugen viele der damals erlebten Ereignisse über 65 Jahre lang im Schweigen bewahrt haben.

“Mein 68. Ein verspäteter Brief an meinen Vater”

Kooperationsveranstaltung des Vereins zur Förderung des Gasthörer- und Seniorenstudiums (fgs) und des Historischens Instituts – Neuere Geschichte



Vortrag: “Mein 68. Ein verspäteter Brief an meinem Vater” — Über die Revolte 1967/68 und ein Film des Autors für den WDR von 1988
Referent: Hannes Heer


Das Jahr 2018 erinnert an Ereignisse, die in der Nachkriegsgeschichte der BRD eine besondere Bedeutung erlangt haben. Gegen dieses Sich-nicht-erinnern-wollen der beiden Generationen, die Hitlers Machtübernahme und die folgenden Verbrechen mit ermöglicht hatten, protestierte die 68er Generation in einer Art und Weise, die Geschichte geschrieben hat. Wie sehen die Zeitzeugen dieses Doppeljahr 1967/68 im Abstand von 50 Jahren? Und warum geht dieser Aufstand, der heute kaum denkbar oder möglich wäre, trotzdem auch die nachfolgenden Generationen (die Weltkriegsenkel- und Weltkriegsurenkelkinder) etwas an? Über diese Fragen will der Referent und Filmemacher mit alten und jungen Studierenden der Universität Köln diskutieren. Hannes Heer ist bekannt geworden als Kurator der Wehrmachtsausstellung, die um die Jahrtausendwende in 34 deutschen Städten gezeigt wurde und über die er am Vortag, am 11.November 2018, um 11.00 Uhr im Forum der Volkshochschule im Rautenstrauch-Joest-Museum am Neu- markt (Cäcilienstraße 29-33, 50676 Köln) sprechen wird. Neben dem Ausstellungskatalog „Ver- nichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944“ haben seine Veröffentlichungen „Hitler war`s“ und „Vom Verschwinden der Täter“ hohe Auflagen erzielt. Im Jahr 1997 wurde er mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet.

Ringvorlesung: Gesund wie nie?

Die Gesundheit erlangt in unserer Gesellschaft eine immer zentralere Bedeutung. Sie durchdringt zunehmend alle unsere Lebensbereiche. Fitness- und Lifestyle-Apps sowie Wearables verbreiten sich rasant, gesundheitsbezogene Beiträge in den Medien, den sozialen Netzwerken und im Internet nehmen stetig zu. Überall werden Gesundheitsinformationen gesammelt, ausgewertet, angeboten und geteilt. Doch wie gesund können und wollen wir überhaupt sein?
Informationsbasierte Technologien versprechen bislang ungekannte Möglichkeiten der individuellen Prävention, Erkennung und Therapie von Krankheiten. Das zunehmende Bewusstsein gesellschaftlicher Diversität eröffnet zudem neue Perspektiven einer zielgerichteten medizinischen Versorgung. Gleichzeitig wird aber auch vom Einzelnen zunehmend erwartet, die verfügbaren Informationen bestmöglich zu nutzen.
Wie können die hierfür erforderlichen persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen vermittelt und bereitgestellt werden? Wie sind die Interessen des Einzelnen und der Gesellschaft in Ausgleich zu bringen? Wie sollen die sozialen und politischen Rahmenbedingungen zum gerechten und nützlichen Umgang mit den neuen Möglichkeiten gestaltet werden? An neun Terminen im Wintersemester 2018/19 gehen Experten der Gesundheits- und Sozialwissenschaften, der Ökonomie und Ethik sowie des Medizinrechts diesen Fragen nach, beleuchten die vielfältigen Facetten physischer und psychischer Gesundheit und zeigen Perspektiven für den Umgang mit den Entwicklungen auf.