Nachlese zum Campus Talk vom 21.Januar 2026:
„Die Physik in der Küche“ mit Dr. Ralf Müller
Am 21. Januar 2026 erfuhren die Teilnehmer der Campus Talks „Physik in der Küche“ von Dr. Ralf Müller, warum man für das perfekte Abendessen kein Sternekoch sein muss – ein Grundverständnis für Thermodynamik reicht völlig aus.
Den Einstieg bildete die Lehre der Wärmeübertragung. Ob Strahlung (wie die Sonne oder der Grill), Konvektion (wenn Teilchen im Topf tanzen) oder Leitung (der Grund, warum Metallgriffe eine schlechte Idee sind) – alles folgt klaren Regeln. Wer klug ist, setzt auf Holzgriffe, denn die physikalische Isolierung ist der beste Freund des Kochs.
Das Geheimnis der 140 Grad
Ein kulinarisches Highlight des Vortrags war die Maillard-Reaktion. Dr. Müller verdeutlichte, dass das wahre Glück jenseits der 100-Grad-Marke liegt. Während beim simplen Kochen unter 100 Grad die Eiweiße eher traurig vor sich hin dümpeln, beginnt bei 140 Grad die Magie: Eiweiße und Zucker degenerieren und verwandeln sich in jene Röstaromen, die uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Sein Fazit: Chemie ist, wenn es knallt – Physik ist, wenn es schmeckt!
Das Öl-Dilemma: Warum Pasta-Sünden physikalisch bestraft werden
Mit einem verbreiteten Küchenmythos räumte Dr. Müller radikal auf: Das Öl im Nudelwasser. Ja, es verhindert die Schaumbildung (Physik!), aber der Preis ist hoch. Das Öl legt sich wie ein Schutzfilm um die Nudeln und sorgt dafür, dass die mühsam zubereitete Sauce später einfach abperlt. Ein physikalischer „Non-Stick-Effekt“, den kein Gourmet wollen kann.
Murphy’s Law und das Schicksal des Toastbrots
Natürlich durfte auch das größte Rätsel der Menschheit nicht fehlen: Warum landet das Toastbrot eigentlich immer auf der Butterseite? Dr. Müller analysierte das Phänomen messerscharf. Es ist kein böses Schicksal, sondern schlicht die Fallhöhe des durchschnittlichen Küchentisches in Kombination mit der Rotationsgeschwindigkeit eines fallenden Toasts. Ein physikalisches Naturgesetz, das leider auch der beste Physiker nicht wegdiskutieren kann.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse des Abends:
- Die Küche ist ein Labor: Physikalische Prinzipien sind keine Theorie, sondern die geheime Zutat für bessere Speisen.
- Optimierung durch Wissen: Ob Wärmeübertragung oder Resonanz – wer weiß, was im Topf passiert, kocht effizienter (und beeindruckt die Gäste).
- Bewusster Genuss: Physik hilft uns, gesünder zu kochen und Lebensmittel besser zu lagern – und das ganz ohne teures High-Tech-Equipment.
Der Vortrag endete mit einer lebhaften Diskussion zur richtigen Zubereitung von Nudeln und der Maillard Reaktion. Vielen Dank an Herrn Dr. Müller für die vielen interessanten Erkenntnisse.
© Text und Foto: Marion Jacobs

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