Nachlese zum Campus-Talk:
„Faszination Kino“ vom 6.5.25
Am 6. Mai 2026 verwandelte die Citizen Science Gruppe „Faszination Kino“ den gut besuchten Seminarraum S23 der Universität Köln in ein lebendiges Film-Labor. Im Fokus der Campus Talks standen die sensiblen Familienporträts des japanischen Meisterregisseurs Hirokazu Kore-eda sowie die Hinweise auf die stilistischen Mittel, die der Regisseur einsetzt und die oft erst auf den zweiten Blick erkennbar sind.
Die vier Gruppenmitglieder Jürgen Laubhold, Ilse Noy, Ulla Gebb und Stefanie Willaredt präsentierten dem Auditorium eine tiefgründige Analyse filmischer Erzählweise. Anhand zweier konträrer Beispiele aus dem Werk Kore-edas führten sie das Publikum Schritt für Schritt an die Entschlüsselung von Filmszenen heran.
„Still Walking“: Die trügerische Höflichkeit
Das erste Experiment startete mit einer Film-Sequenz auf Japanisch aus dem Film Still Walking. Die Konversation klang höflich und kultiviert. Es zeigte eine wohlsituierte Familie bei einer gemeinsamen Mahlzeit. Das Publikum war nun aufgefordert, erste Eindrücke zu sammeln, obwohl niemand die Sprache verstehen konnte
Die Moderatoren der Citizen Science Gruppe lenkten die Aufmerksamkeit der Zuhörer dabei geschickt auf subtile Details wie etwa das Licht, die Farbwahl der Kleidung, die Position der Kamera und es stellten sich die Fragen: „Was verraten die Kleidung, die Sitzordnung und die Blickachsen der Personen über ihre Beziehung zueinander?“.
Die Auflösung erfolgte in zwei Stufen:
Die gleiche Szene (diesmal mit Untertiteln) : Erst durch die Übersetzung änderte sich der Blick radikal. Die vermeintliche Harmonie entpuppte sich als kühle Routine; hinter den höflichen Phrasen verbargen sich gemeine Seitenhiebe und fehlende echte Zuwendung. Blicke und kleine Gesten unterstrichen die emotionale Distanz innerhalb dieser Blutsverwandtschaft.
„Shoplifters“: Wärme in der Armut
Einen starken Kontrast dazu bildete das zweite Beispiel aus dem preisgekrönten Film Shoplifters. Erneut sah das Publikum eine Familie beim Essen – diesmal jedoch unter deutlich ärmlicheren Bedingungen und, wie die Moderatoren erläuterten, ohne biologische Verwandtschaft.
Das Überraschende: Trotz der prekären Lebensumstände wirkte die Interaktion hier weitaus zugewandter und herzlicher als im ersten Beispiel. Die filmischen Mittel – von der unkonventionellen Ausstattung des Zimmers bis hin zur lebhaften Körpersprache – verdeutlichten einerseits die ärmlicheren Lebensverhältnisse aber auch ein echtes Interesse an einem in diesem Fall von der Straße aufgelesenen Kind.
Fazit: Ein neues Auge für das Detail
Nach einer angeregten Diskussion verließen die Teilnehmer den Vortrag mit einem geschärften Blick. Die Citizen Science Gruppe hat eindrucksvoll gezeigt, wie Regisseure (hier Kore-eda) filmische Mittel -Kameraposition, Farbgebung, Ausstattung, Kostüme, … – einsetzen, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen und die Filmaussage zu verstärken.
Ein herzlicher Dank gilt der Gruppe für diesen inspirierenden „Mind-Opener“, der uns gelehrt hat, beim nächsten Kinobesuch auch auf die kleinsten Details am Rande zu achten.

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Text und Bild: © M. Jacob
Nachlese zum Campus-Talk
vom 22.04 .2026: „Einblicke in den Weg vom Gasthörer zum Archäologiestudenten„
Mit einem lebendigen Erfahrungsbericht eröffnete Martin Nees am 22. April 2026 die CampusTalksReihe des Sommersemesters. Er schilderte seinen ungewöhnlichen Weg vom Gasthörer zum regulären Studierenden der Archäologie am Institut für Ur und Frühgeschichte – und gab zugleich einen Einblick in die praktische Arbeit archäologischer Grabungen.
Warum Archäologie? Zwischen Leidenschaft und Pragmatismus
Nees begründete seine Spezialisierung innerhalb der Archäologie offen: Neben echtem Interesse spielte auch Pragmatismus eine Rolle. Für nahezu alle Fachgebiete im Studium der Archäologie werde das große Latinum oder zusätzliche Sprachkenntnisse verlangt. Für seine gewählte Spezialisierung – die „schriftlose Zeit“ – genügte hingegen Englisch auf B2Niveau. Mit diesen Voraussetzungen startete er ins Studium, bestand auf Anhieb die ersten Prüfungen und zeigte damit, dass das Bestehen von Prüfungen nicht unbedingt eine Frage des Alters ist.
Grabungserfahrungen von Rumänien bis Erkelenz
Zum Archäologiestudium gehören auch Feld- und Grabungsarbeiten. Bereits vor seiner offiziellen Einschreibung nahm Nees an solchen Grabungen teil. Besonders eindrucksvoll waren seine Einsätze 2024 im rumänischen Toboliu, wo Studierende aus mehreren Ländern gemeinsam eine bronzezeitliche TellSiedlung. Auch an Grabungen des Kölner Instituts in Erkelenz sowie auf Zypern war er beteiligt.
Der Ablauf solcher Grabungen wurde anschaulich beschrieben:
Magnetfeldmessungen zur zerstörungsfreien Bodenanalyse
Bohrungen und Ausgrabungen, bei denen Erdschichten, Farben und Pollen Hinweise auf Siedlungsstrukturen liefern
Sieben, Waschen und Dokumentieren der Funde
Wiederebnung der Grabungsflächen
Zu den typischen Funden gehörten Hüttenlehm, Muscheln und andere Nahrungsreste, die Rückschlüsse auf das Alltagsleben früherer Gemeinschaften erlauben.
Fragen aus dem Publikum
Das Publikum interessierte sich sowohl für wissenschaftliche Ergebnisse als auch für praktische Aspekte. Eine interessante Erkenntnis der Grabung in Rumänien war, dass in der untersuchten Siedlung offenbar viele Frauen von außerhalb zugezogen waren – ein Befund, der sich aus materiellen Überresten ableiten lässt. Weitere Fragen betrafen die Unterkünfte (meist Ferienwohnungen) und das Zusammenleben der Studenten im internationalen Grabungsteam.
Ein lebendiger Einblick in die Archäologie
Der Vortrag bot einen anschaulichen Blick hinter die Kulissen archäologischer Forschung und zeigte, wie vielfältig und international die Arbeit im Feld ist. Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten Martin Nees für einen informativen und unterhaltsamen Auftakt der Campus Talks.

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Text und Bild: © Jacob/Nees
Der nächste Campus Talk im Semester:
am 6. Mai 2026 um 16.00 Uhr
zum Thema „Faszination Kino“
Wir möchten auf den nächsten Vortrag unserer Reihe „Campus Talks“ hinweisen:
Am Mittwoch, den 06.Mai, ab 16 Uhr wird die Citizen Science Projektgruppe „Faszination Kino“ die Ergebnisse Ihrer Arbeit im Vortrag: Vortrag „Familienbilder im japanischen Film- ein filmanalytisches Gespräch“ präsentieren. Über den eigentlichen Vortrag hinauswird auch die Arbeitsweise der Gruppe anhand praktischer Übungen gemeinsam mit den Zuschauenden erprobt.
Grundlage dafür bilden kurze Ausschnitte aus Filmen des japanischen Regisseurs Kore-Eda, der in ‚Still Walking‘ und ‚Shoplifters‘ Familien-Konstellationen beschreibt und zur Diskussion stellt. In der anschließenden Besprechung der Szenen soll allen Beteiligten deutlich werden, wie viele Aspekte eines Films schon durch einen kurzen Ausschnitt erkennbar werden, und welche filmischen Mittel dabei eingesetzt werden, um diesen Eindruck zu vermitteln.
Im Vordergrund steht dabei die Faszination des Kinos, der Spaß am genauen, gemeinsamen Betrachten der Filmausschnitte und der lebendige Austausch aller Zuschauenden, der im Anschluss gerne auch im Café vertieft werden kann.
Ort der Vortragsreihe: Seminargebäude Raum S 23. Das Seminargebäude (Gebäudenummer 106) befindet sich auf dem Campus Gelände zwischen Philosophikum und Universitätsbibliothek.

Anfahrt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln: Straßenbahn Linie 9 in Richtung „Sülz“ bis zur Haltestelle „Universität“. Von dort ca. 100 m Fußweg.
Die neuen Termine für die Campus Talks:
22.04.2026/ 06.05.2026/ 03.06.2026/ 01.07.2026
Hier gibt es nähere Einzelheiten:
Für die nächsten Monate planen wir die folgenden Vorträge und Termine:
- Am Mittwoch, den 22.04.2026, wird uns Herr Martin Nees ab 16 Uhr teil haben lassen an seinen Reisen nach Rumänien und Zypern und über seine Erfahrungen über die Ausgrabungen des Instituts der Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln, an denen er teilgenommen hat, berichten.
- Am Mittwoch, den 06.05.2026, ab 16 Uhr wird die Citizen Science Projektgruppe „Faszination Kino“ ihre Arbeit vorstellen und wir freuen uns auf das Thema: “Familienbilder im japanischen Film – ein filmanalytisches Gespräch“.
- Am Mittwoch, den 03.06.2026, ab 16 Uhr werden uns Frau Dr. Karin Thoenissen und Herr Wilfried Hüsch unter dem Titel: “Die Macht der Mode oder die Mode der Macht“ in ihrem Vortrag über die Rolle der Mode in Frankreich zur Zeit Marie Antoinettes, ihren Anteil an der Wirtschaft Frankreichs und ihre Bedeutung in der französischen Revolution, näherbringen.
- Am Mittwoch, den 01.07.2026, ab 16 Uhr wird uns Frau Margret Prinz Krull die Rheingräfin „Sybille Mertens-Schaaffhausen“ vorstellen. Sie gilt als einer der faszinierendsten Frauen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Ort der Vortragsreihe: Seminargebäude Raum S 23. Das Seminargebäude (Gebäudenummer 106) befindet sich auf dem Campus Gelände zwischen Philosophikum und Universitätsbibliothek.

Seminargebäude, © M. Jacob
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