Campus Talks

Ein neuer Campus Talk
mit der Studiengruppe „Das Politische Buch“:
„Von geopolitischen Herausforderungen zur Sozialstaatsreform“  
Mittwoch, 15.Juli 2026,
16.00 Uhr im Seminargebäude Raum S 23.

Die Studiengruppe „Das politische Buch“ lädt zu einem neuen, spannenden Format ein: dem „Politischen Quartett“.
Das politische Quartett ist ein Format, mit dem wir über einzelne Bücher, die in der Studiengruppe Das politische Buch besprochen wurden, hinausgehen wollen. Thesen und Argumente der Autoren werden zu einem Gesamtbild verbunden, das anstehende Veränderungen, (scheinbare) Sachzwänge und entstehende gesellschaftliche Konfliktpotentiale beleuchtet.

Auf dem Podium:
– Joachim Arndt (Neustart für Deutschland),
– Bernd Schäfer (Macht im Umbruch), 
– Detlef Zylka (Initiative für einen handlungsfähigen Staat
– Herbert Müller (Moderation).

Anhand von 3 aktuellen Texten, Herfried Münkers Macht im Umbruch, Gerald Braunbergers Neustart für Deutschland, und den Vorschlägen der Initiative für einen handlungsfähigen Staat (Peer Steinbrück u.a.) unternimmt das Politische Quartett den Versuch, Geo- und wirtschaftspolitische Herausforderungen mit einer notwendigen europäischen wie deutschen Gesamtstrategie zu verknüpfen. Neben der Analyse geht es dabei vor allem um die Umsetzung in konkrete Politik. Wie lassen sich die bisherigen Ansätze im Politischen Maschinenraum, sprich Koalitionsvertrag, Verwaltungsreformen, Digitalisierung und z.B. den Empfehlungen der Sozialstaatsreform wiederfinden.


Nachlese zum Talk: Mode im Zeitalter Marie Antoinettes

Zwischen Prunk und Umbruch: Campus Talk zur Mode im Zeitalter Marie Antoinettes

Mit einem atmosphärisch gelungenen Einstieg begann der dritte gut besuchte Vortrag der Campus-Talks dieses Semesters: Der Referent Wilfried Hüsch eröffnete seinen Vortrag mit einer Sequenz aus Sophia Coppolas Film „Marie Antoinette“. Die opulenten Bilder des Films vermittelten eindrücklich die verschwenderische Stimmung am französischen Hof des 18. Jahrhunderts – eine Epoche, in der Mode nicht nur Ausdruck von Geschmack, sondern ein klares Zeichen gesellschaftlicher Ordnung war.

Die erste Folie machte gleich zu Beginn deutlich: „Der schlechte Geschmack gefällt, sobald er Mode wird.“ Ein Satz von Rousseau, der die Dynamik der damaligen Zeit treffend beschreibt. Denn das 18. Jahrhundert lasse sich, so der Referent, kaum ohne die schillernde Figur Marie Antoinettes verstehen. Die Tochter der österreichische Erzherzogin Maria Theresia, die 1770 den späteren Ludwig XVI. heiratete – Enkel des Königs Ludwig XV. –, wurde schnell zur stilprägenden Ikone ihrer Zeit.

Zentral für ihren modischen Einfluss waren auch die engen Vertrauten, die Hüsch dem Publikum vorstellte: die berühmte Modistin Rose Bertin, die als erste „Modedesignerin“ im modernen Sinne gilt, die Hofmalerin Élisabeth Vigée-Lebrun, deren Porträts das Bild der Königin bis heute prägen, sowie eine weniger bekannte Seidenmacherin, die beispielhaft für die hohe Handwerkskunst jener Zeit steht.

Im 18. Jahrhundert galt eine klare Kleiderordnung: Die gesellschaftliche Stellung musste unmittelbar an der Kleidung ablesbar sein. Wie brisant ein Bruch mit diesen Regeln sein konnte, zeigte Dr. Karin Thönnissen anhand eines Gemäldes, das Marie Antoinette in einem schlichten weißen Kleid darstellt. Zeitgenossen reagierten empört – die Darstellung galt als skandalös, weil sie den standesgemäßen Prunk vermissen ließ. 

Gleichzeitig entwickelte sich jedoch ein gegenläufiger Trend: die Sehnsucht nach einem einfacheren, naturnahen Leben. Auch Marie Antoinette folgte dieser Mode und zog sich ins Petit Trianon zurück, wo sie eine idealisierte Schäferidylle inszenierte. Ein scheinbarer Widerspruch, der die gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit widerspiegelt.

Diese Spannungen verschärften sich zunehmend: Während die Staatsverschuldung Frankreichs dramatisch anstieg, wuchsen parallel auch die Ausgaben für luxuriöse Kleidung und Hofhaltung. Für Hüsch ist klar: Diese Diskrepanz war in den Augen der Öffentlichkeit scheinbar Ursache der Verschuldung, doch Zinslast und die Militärausgaben waren viel bedeutender und trugen zum Zusammenbruch der Monarchie bei.

Mit der Französischen Revolution änderte sich nicht nur das politische System, sondern auch die Mode grundlegend. Ein Bild aus der Zeit nach 1789 zeigt Marie Antoinette bereits in schlichter schwarzer Kleidung – ein deutlicher Kontrast zu ihrer früheren Pracht. Weitere Darstellungen führen die Tragik ihres Schicksals vor Augen: 1793 erscheint sie vor Gericht im einfachen Hemd, später, kurz vor ihrer Hinrichtung, gefesselt, mit abgeschnittenem Haar auf dem Weg zum Schafott.

Auch modisch setzte die Revolution neue Maßstäbe. Farben wurden gedämpfter, Stoffe reduzierter. Unter Napoleon wurde schließlich sogar vorgeschrieben, dass Textilien aus Frankreich stammen mussten – ein früher Ausdruck wirtschaftspolitischer Steuerung durch Mode. Männer legten zudem die zuvor üblichen Kniehosen ab und trugen stattdessen lange Hosen – die sogenannten „Sansculotten“ wurden zum Symbol des revolutionären Bürgertums.

Ergänzend gab Karin Thönnissen Einblicke in die Kleidervorschriften der damaligen Zeit und verdeutlichte, wie stark Mode als soziales Regelwerk fungierte.

Der Campus Talk zeigte eindrucksvoll, dass Mode weit mehr ist als ästhetischer Ausdruck. Sie spiegelt gesellschaftliche Machtverhältnisse, wirtschaftliche Entwicklungen und politische Umbrüche wider – damals wie heute.

Bilder zum Vergrößern anklicken:

Bilder: https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Antoinette_von_%C3%96sterreich-Lothringen

Text: Marion Jacobs


Ein neuer Campus-Talk am
1. Juli 2026, 16.00 Uhr

Am Mittwoch, den 01.07.2026, ab 16 Uhr wird uns Frau Margret Prinz Krull die Rheingräfin „Sybille Mertens-Schaaffhausen“ vorstellen. Sie gilt als einer der faszinierendsten Frauen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Hier bei Wikipedia können Sie sich schon ein wenig mit dem Thema vertraut machen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sibylle_Mertens-Schaaffhausen

Ort der Vortragsreihe: Seminargebäude Raum S 23. Das Seminargebäude (Gebäudenummer 106) befindet sich auf dem Campus Gelände zwischen Philosophikum und Universitätsbibliothek.


Die neuen Termine für die Campus Talks:

22.04.2026/ 06.05.2026/ 03.06.2026/ 01.07.2026

Hier gibt es nähere Einzelheiten:

Für die nächsten Monate planen wir die folgenden Vorträge und Termine:

  • Am Mittwoch, den 22.04.2026, wird uns Herr Martin Nees ab 16 Uhr teil haben lassen an seinen Reisen nach Rumänien und Zypern und über seine Erfahrungen über die Ausgrabungen des Instituts der Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln, an denen er teilgenommen hat, berichten. 
  • Am Mittwoch, den 06.05.2026, ab 16 Uhr wird die Citizen Science Projektgruppe „Faszination Kino“ ihre Arbeit vorstellen und wir freuen uns auf das Thema: “Familienbilder im japanischen Film – ein filmanalytisches Gespräch“.
  • Am Mittwoch, den 03.06.2026, ab 16 Uhr werden uns Frau Dr. Karin Thoenissen und Herr Wilfried Hüsch unter dem Titel: “Die Macht der Mode oder die Mode der Macht“ in ihrem Vortrag über die Rolle der Mode in Frankreich zur Zeit Marie Antoinettes, ihren Anteil an der Wirtschaft Frankreichs und ihre Bedeutung in der französischen Revolution, näherbringen.
  • Am Mittwoch, den 01.07.2026, ab 16 Uhr wird uns Frau Margret Prinz Krull die Rheingräfin „Sybille Mertens-Schaaffhausen“ vorstellen. Sie gilt als einer der faszinierendsten Frauen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Ort der Vortragsreihe: Seminargebäude Raum S 23. Das Seminargebäude (Gebäudenummer 106) befindet sich auf dem Campus Gelände zwischen Philosophikum und Universitätsbibliothek.

Seminargebäude, © M. Jacob


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